Market Risk
Die gezielte Quantifizierung von Marktrisiken und deren Limitierung gehören zu den Grundlagen für eine erfolgreiche Rendite-/Risikosteuerung einer Bank. Ein solides Fundament für die Überwachung der Marktrisiken bieten die integrierten Bewertungsmodelle von Bankprodukten. Auf diesem bauen die Value at Risk-Berechnungen, Sensitivitätsanalysen, Markt- und Stress-Szenarien auf, welche anhand von Limitensystemen überwacht werden.

Value at Risk


Grundsätzlich lassen sich die folgenden drei Ansätze zur Berechnung des Value at Risk unterscheiden:
  • Historische Simulation
  • Analytische Berechnung
  • Monte Carlo Simulationen
Bei jedem Ansatz wird anhand vergangener und aktueller Informationen versucht, zukünftige Verteilungen bestmöglich zu prognostizieren.

Am Beispiel der Historischen Simulation läßt sich die technische Vorgehensweise veranschaulichen: Kernelement der historischen Simulation stellt ein Marktdatenarchiv dar, welches auf Basis von Standardroutinen und benutzerdefinierten Algorithmen täglich über einen automatisierten Link aktualisiert, validiert und vervollständigt wird. Ein Validierungsreport gibt Auskunft über die vom System durchgeführten Datenoptimierungen sowie eventuelle manuelle Eingriffe. Auf der Grundlage der historischen Zeitreihen werden vom Marktdatenarchiv Szenarien generiert, welche anschliessend in die Bewertung einfliessen. Auf hohe Performance ausgelegte Bewertungsmodelle liefern zeitgerechte Resultate. Aggregationsroutinen summieren die Ergebnisse aus der Kalkulation auf den gewünschten Aggregationsniveaus auf und kalkulieren anschliessend den Value at Risk mit frei definierbarem Konfidenzniveau. Dieses Vorgehen stellt sicher, dass die Korrelationen vollständig und korrekt in die VaR Kalkulation einfliessen. Da eine HSVaR-Berechnung auf allen im Voraus definierten Aggregationsstufen möglich ist, lässt sich ein Diversifikationseffekt ausweisen. Gleichzeitig ist ein Herunterbrechen auf Positionsebene und Vektoren möglich.

Das Backtesting-Konzept stellt eine kontinuierliche Überprüfung der kalkulierten Resultate sicher. Die Positionen zum Zeitpunkt t-1 werden mit den Marktpreisen zum Zeitpunkt t neu bewertet. Der Backtestingreport stellt diese Resultate in den Kontext des zum Zeitpunkt t-1 berechneten VaR.

Sensitivitäten

Sensitivitätskennzahlen zeigen die Stärke von Schwankungen auf, die aus Marktveränderungen resultieren und unterscheiden sich deshalb grundlegend von VaR-Kennzahlen, die eine Momentaufnahme der Risikosituation darstellen. Dabei sind diese Kennzahlen stark instrumentabhängig. Für Optionen beispielsweise lassen sich die Greek Letters (Delta, Gamma, Vega, Theta, Rho) bestimmen. Für zinssensitive Positionen werden Duration und Konvexität kalkuliert.

Wichtig ist dabei, dass sich die Kennzahlen wiederum auf sämtlichen Aggregationsniveaus ausweisen lassen und dadurch einen guten Überblick über die Risikosituation des Instituts bzw. über Herkunft der Exposures vermitteln.

Szenario Kalkulationen

Unter dem Begriff Szenario wird die Simulation der Auswirkungen möglicher Zukunftskonstellationen verstanden. Es können grundsätzlich besonders relevante/typische Szenarien von Extrem- oder Stress-Szenarien unterschieden werden. So vielfältig wie die möglichen Zukunftsaussichten sind, so vielfältig sind die Möglichkeiten für die Definition von Szenarien.

Szenarien lassen sich einfach auf globalen Risikofaktoren (z.B. Zinsen +100Bp) oder detailliert auf Ebene eines einzelnen Risikofaktors (z.B. USD 3M-Zins: +20Bp) definieren, was unter jedem Szenario zu einer Neubewertung sämtlicher Positionen führt.

Die Szenario Analyse stellt ein wichtiges Instrument zur Abschätzung der Risiken im entsprechenden Portfolio (Handelsbuch oder Kundenportfolio) dar. Dies erlaubt auch die Simulation von Auswirkungen möglicher Veränderungen der Risikofaktoren auf das aktuelle Portfolio.

Limiten-Überwachung

Alle kalkulierten Risikofaktoren (VaR-Kennzahl, Sensitivität oder Szenarioresultat) sind auf dem gewünschten Aggregationsniveau zu limitieren. Die Überführung der in der Risikopolitik und den entsprechenden Reglementen der Bank definierten Limitierungen in die Risikokontrolle lassen sich mit einem intelligenten Limitenkonzept unterstützen.

Ein hierarchisches, multidimensionales Limitensystem soll eine effiziente Pflege und nicht redundante Strukturierung der Limiten erlauben , indem Limitenstrukturen nur einmal aufzusetzen und mehrmals verwendbar sind.

Einmal gesetzte oder angepasste Limiten sind zu historisieren, damit die Entwicklung von Risikofaktor und Limite einerseits für das Reporting und andererseits für interne und externe Revisionen jederzeit nachvollzogen werden kann.

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